Einmal zum Ende der Welt und zurück, bitte.

„Die Ruhe der Seele ist ein herrliches Ding
und die Freude an sich selbst.“

– Johann Wolfgang von Goethe

 

Manchmal braucht man ein kleines bisschen Stille. Rückzug, Ruhe, ein Ort zum Entspannen. In der wenigen Zeit, die ich habe vergesse ich oft, wie gut es tun kann sich für ein paar Tage rauszunehmen. Weg von dem was Stress verursacht, was Nerven anspannt und den Körper müde macht. Dieses Wochenende habe ich mir ein Herz gefasst und entschieden, zwei Tage weit weg vom Alltag zu verbringen. Gut, die Route führte uns nur von Leipzig nach Berlin, aber mehr gibt der studentische Geldbeutel nicht her und weiter weg muss es eigentlich auch gar nicht sein.

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Der Freitag zog sich, wie eben jeder Freitag in einem Büro, gefühlt doppelt so lang wie die restlichen Wochentage. Zum Glück wurde ich direkt von dort aus eingesammelt, ins Auto gesetzt, mit guter Musik versorgt und nach Berlin kutschiert um den Geburtstag einer Freundin zu feiern.Wohin es dafür genau gehen sollte wusste ich nicht, denn die Location wurde uns bis zur Ankunft vorenthalten. Da ich kein großer Berlin–Kenner bin, fehlte mir tatsächlich jede Ahnung, worum es sich handeln könnte. Meine Freundin führte uns in den Fahrstuhl eines Einkaufszentrums, auf ein Parkdeck und noch eine Etage höher bis vor uns der Eingang zu einer Bar auftauchte. Über den Dächern von Berlin!

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Wir gingen an der Kasse vorbei und begannen uns durch die Menschenmassen zu schlängeln. Ich nahm das Lachen der Leute, die Musik und den Geruch nach Grill und Burger wahr (letzteres eigentlich am stärksten, ich hatte Hunger. Großen Hunger.) und fühlte mich irgendwie erleichtert. Allein die geografische Distanz hatte mir eine Last von den Schultern genommen, von der ich vorher nicht gewusst hatte, dass sie so stark existiert. Ich war froh weg zu sein, sogar richtig ausgelassen.

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Der Abend verging in guten Gesprächen und Lachen und langsam legte sich erst die Dämmerung, und dann die Nacht über Berlin. Ein atemberaubender Anblick.

Wir machten uns nicht allzu spät wieder auf, denn die Reise ging weiter Richtung Glindow, einem kleinem beschaulichen Ortsteil von Werder in Brandenburg. Die Großeltern meines Partners haben hier einen urigen DDR-Bungalow (mit noch originaler Lichterkette!), der direkt am Glindower See liegt. Erschöpft kamen wir an, schliefen sofort ein und erwachten am nächsten Tag 11.00 Uhr. Und wenn der Tag nach dem Ausschlafen zusätzlich noch mit einem gemütlichen Frühstück draußen und einem erfrischenden Sprung vom Steg in den See beginnt, kann nichts schief gehen.

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Die Atmosphäre ist zwar ganz anders, als mitten im vor Leben sprühenden Berlin, aber trotzdem fühle ich mich auch hier erfüllt. Kein Stimmengewirr, keine laute Musik, nur die leisen Klänge einer Gitarre und die Vögel, die sich mit ihr zu unterhalten scheinen, während ich hier auf der Terrasse sitze und versuch, diese entspannte Ruhe aufzunehmen, zu verinnerlichen und ein Stück davon mit in den Alltag zu übertragen.

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Es ist zwar immer gut rauszukommen und mal einen Tapetenwechsel vorzunehmen, auch wenn es nur um ein Wochenende geht. In manchen Situationen ist das aber einfach nicht möglich. Und dann muss man die Ruhe vom See und die Ausgelassenheit aus einer schönen Nacht mit Freunden nehmen und sie in jede noch so öde, noch so ärgerliche, verwirrende oder traurige Alltagssituation einfließen lassen. Oder es zumindest probieren!

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All pictures are raw. No make up, no retouching. Just pure happiness.