Meine Hosenphobie und ich.

 

„To me, beauty is about being comfortable in your own skin. It’s about knowing and accepting who you are.“

– Ellen Degeneres

Ich habe es im letzten Artikel schon erwähnt: Ich mag keine Hosen. Das heißt, ich mag keine Hosen an MIR. Eigentlich finde ich den typischen Casual Style super schön: weißes T-shirt, blue Jeans, ein paar bequeme Schuhe, Haare ganz lässig im Winde wehend und ein ansteckendes Lächeln im Gesicht. Nur sieht die Realität bei mir ganz anders aus. Der BH zeichnet sich unterm T-shirt ab, die Jeans zwickt, die Schuhe machen Clowns-Füße, die Haare sind wirr und das Lächeln sieht eher verkrampft aus. Die einzige Erklärung für mich: Es sind die Hosen. Zumindest klang das lange Zeit logisch. Also habe ich sie nicht mehr angezogen, obwohl ich das gerne getan hätte. Und obwohl es im Winter dann doch schon mal sehr kalt werden konnte (dickere Strumpfhosen aus Baumwolle fand ich ebenfalls furchtbar an mir). Ich habe es das ein oder andere Mal versucht, aber mich immer furchtbar gefühlt, hatte das Gefühl alle starren mich an und denken „Okay, sie sollte definitiv keine Hosen tragen.“

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Die Ausreden, warum ich es nicht noch mal versuchen wollte gingen von „Man sieht meine Cellulite durch.“ über „Sie machen meine Beine fett“ bis hin zu meinem Favoriten „In Hosen sehe ich aus wie ein Mann.“ Ich glaube nicht, dass das bei mir überhaupt möglich ist. Es sei denn man hat eine Menge Gaffa – Tape parat.

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Aber es dauerte eine Weile bis ich darauf kam zu hinterfragen, woher dieses Unbehagen überhaupt kam. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich keine Antwort darauf hatte. Vielleicht hat irgendjemand mal etwas Fieses gesagt, vielleicht habe ich mich in einem kurzen, ungünstigen Moment im Spiegel beobachtet oder ein Foto gesehen, das mir nicht gefallen hat. Klar war auf jeden Fall, dass nur ich allein mir das eingeredet habe. Ich habe mich selbst sinnlos eingeschränkt und unter Druck gesetzt und das alles nur, weil ich fand, dass ich in Hosen nicht so aussah, wie man in Hosen aussehen sollte.

Davon wollte ich mein Leben nicht mehr beeinflussen lassen. Man kann in Hosen nicht richtig oder falsch aussehen. Jeder Körper ist anders und dementsprechend sitzt auch bei jedem die Jeans anders. Wenn ich Hosen also tragen will, dann trage ich sie verdammt noch mal auch.

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Am Wochenende des Karnevals der Kulturen in Berlin habe ich dann mein neu erworbenes Jeansexemplar zur Schau getragen und mich fabelhaft gefühlt. Der Grund warum ich überhaupt aufgehört habe sie zu tragen war plötzlich egal. Vielleicht sehen sie ja tatsächlich nicht so gut aus wie Röcke, aber das ist kein Grund sie nicht anzuziehen.

Abgesehen davon, dass mein Leben seit dem ein wenig leichter geworden ist (Ich kann im Schneidersitz im Park sitzen, es rutscht nichts unangenehm weit nach oben während des Fahrradfahrens und Laufmaschen sind Geschichte), bin ich ein bisschen mehr aus meiner Komfortzone herausgegangen und habe mich noch ein wenig mehr lieben gelernt.

Meine neue Hose sitzt perfekt, ist bequem und zeigt jeden Millimeter von meinem Bein. Und ich freu mich darüber.

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