Veränderung

„The only thing predictable about life is its unpredictability.“

– Remy aus Ratatouille

Die letzten Wochen waren voller Veränderungen. Kleinere, die ich mir selber vorgenommen habe und Größere die außerhalb meines Einflusses liegen. Einige geben mir ein gutes Gefühl, andere machen mir Angst, machen mich unsicher und vielleicht auch ein bisschen unglücklich. Ich ziehe momentan um. Ich packe Sachen von hier nach dort, packe sie wieder zurück. Seufze tief und überlege noch einmal was wohin kommt, was ich mitnehme und wovon ich mich trenne. Umziehen ist nicht leicht und vor allem nicht, wenn es so gar nicht geplant ist. Am besten man packt einfach mit Freunden zusammen, vielleicht bei einem oder zwei Gläsern Wein. Oder fünf.

Das mag jetzt alles ein wenig melodramatisch klingen. Ich ziehe ja nicht mal aus der Stadt weg und alle meine Liebsten sind immer noch in meiner Nähe um mich zu unterstützen. Aber irgendwie fällt mir das schwer. Mein zu Hause ist mein sicherer Hafen, mein Ruhepol.  In meinem schnellen Leben liebe ich es ein Fleckchen für mich zu haben, einen Ort an dem ich mein Granny-life richtig ausleben kann. Inklusive Wollsocken, kariertes Deckchen, Fernsehen (Eigentlich eher Netflix, ganz nachdem Motto „moderne Oma“ natürlich) und einer Tasse Tee. Wenn ich es ganz wild treibe, dann gibt es gelegentlich sogar mal ein Glässchen Wein. Hihihi.

„Ich wollte meine Tage definitiv nicht mehr schniefend, allein und vielleicht auch ein wenig selbstmitleidend auf dem Schlafsofa verbringen.“

In so einer blöden Übergangsphase, wie in den letzten Wochen, hat man das alles nicht. Zu Hause standen Kisten rum, im „Übergangs – zu Hause“ jedoch nur die Hälfte des Zeugs, das ich wirklich brauchte. Die andere Hälfte war irgendwo bei Freunden verteilt. Mit dieser ungewohnten Alltagssituation hat mir irgendwie meine ganze Grundlage gefehlt. Ich hatte auf immer weniger Lust, wäre am liebsten nur noch alleine gewesen und selbst die kleinsten Dinge haben mich absolut aus der Ruhe gebracht, aggressiv oder traurig gemacht. Ich habe mich selber genervt, bin dadurch unsicher geworden und habe somit wahrscheinlich auch jeden Einzelnen um mich herum genervt. Das hat mich noch unsicherer gemacht bis hin zu dem Punkt, an dem ich eine Diskussion über vegane Ernährung so persönlich genommen habe, dass ich den Tränen nah war. Obwohl ich nicht mal Veganerin bin. Ich konnte mein Verhalten nicht mehr länger auf Hormon-Schübe schieben und beschloss, dass das so nicht geht. Es sah so aus, als würde sich die heimatlose Situation noch ein wenig hinziehen und bis dahin wollte ich meine Tage definitiv nicht mehr schniefend, allein und vielleicht auch ein wenig dramatisch-melancholisch auf dem Schlafsofa verbringen.

Ich habe angefangen mir kleine Routinen einzubauen. Routinen, die ich über all haben konnte. Morgens: Yoga, wenigstens für 3 min. Wenigstens nur kurz auf dem Yogablock rumliegen. Abends: ein Buch lesen. Das klingt banal, aber ich weiß nicht, wann ich mir dafür das letzte Mal Zeit genommen habe. In jeder Stresssituation: TEE. Oder bei angemessener Tageszeit: Wein. Ich nehme mir Zeit für gutes Essen und dessen Zubereitung, versuche nicht den Stress als Ausrede für Junkfood zu nehmen. Und Sport. Sport wollte ich wieder regelmäßig anfangen (Betonung auf dem Konjunktiv).

Existiere ich, oder lebe ich?

Um jetzt mal auf den Punkt zu kommen: Eine solche Veränderung im Leben sollte mich nicht komplett aus den Latschen kippen lassen. Auch wenn sie unvorbereitet kommt, auch wenn sie Druck und Stress mit sich bringt und wenn ich vielleicht gar nicht nach ihr gefragt habe.Was mich so aus der Bahn geworfen hat ist, dass ich schon vorher nicht mehr so richtig in Verbindung mit mir selbst stand. Ich habe vor mich hingelebt, meinen Alltag routiniert hinter mich gebracht, mir ein kleines Gerüst aufgebaut, an dem ich mich lang hangeln kann ohne zu realisieren was passieren könnte, wenn mir das Gerüst unter den Füßen weggezogen wird. Aber manchmal ist es eben gut wenn der große Fall kommt. Danach realisiert man wieder wie man lebt. Ja sogar ob man lebt, oder einfach nur existiert. Veränderungen tun dann gut, auch wenn zuerst überhaupt nicht danach aussieht.

Ein bisschen stabilisiert sich mein Alltag momentan schon. Und das obwohl ich noch immer in der selben Situation bin. Aber ich habe mir vorgenommen, ein Mensch zu sein der klarkommt. Egal was passiert. Auch wenn es seine Zeit dauert, auch wenn manche Situationen viel Kraft erfordern. Ich will auf meine innere Ruhe vertrauen können, ich will den Glauben nicht verlieren, dass alles was passiert auch aus einem bestimmten Grund passiert. Und: das am Ende alles gut sein wird. Also tue ich Dinge die mir guttun. Auch wenn ich eigentlich gar keine Zeit dazu habe. Manchmal ist die Zeit, die man mit nur wenig Lust und kaum Konzentration in Vorträge, lernen oder arbeiten steckt, besser in ein wohltuendes Bad, einen Spaziergang oder in ein ausgiebiges Gespräch mit Freunden investiert.

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UPDATE

Ich bin inzwischen umgezogen und habe es nicht geschafft diesen Beitrag vorher zu meiner Zufriedenheit fertigzustellen. Ich kann aber fröhlich verkünden, dass langsam alles entsteht, sich entwickelt und einspielt. Ich genieße jede noch so kleine neue Erfahrung und das Ausprobieren von Dingen, die es vorher in meinem Alltag nicht gegeben hat.